Französische Revolution & Napoleonisches Zeitalter / Jahr 1789

Frankreich: Revolution, Republik und Kaiserreich (1789 – 1914)   
   
Die französische Revolution – vom Absolutismus zur Republik   


Ursachen und Auslöser der Revolution
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts deuten sich in Frankreich bereits revolutionäre Tendenzen und ein politischer Umschwung an. Das absolute Regimen unter Ludwig XVI. wird durch anhaltende Hungersnöte, Steuererhöhungen und einem drohenden Staatsbankrott zunehmend geschwächt und untergraben. Die allgemeine Stimmung gegenüber dem absolutistischen Herrscher, besonders seitens des Mittelstands und des gemeinen Volks ist vorwiegend ablehnend. Das luxuriöse Leben der Feudalherren und des Adels wurde überwiegend auf Kosten des einfachen Volkes ausgelebt. Auch die andauernden Kriege und zwei aufeinanderfolgende Missernten in den Jahren 1787 und 1788 wirkten sich stark belastend auf die französischen Finanzen, die Arbeitslosigkeit stieg exponentiell und besonders die Bauern sahen sich gezwungen, Lebensmittelgeschäfte zu plündern, um zu überleben. Der erste Schritt in Richtung Revolution war getan...
   
Gemäßigte Phase oder Der Beginn der Revolution (1789 – 1791)   
05.05.89    Ludwig XVI ist gezwungen, die Generalstände einzuberufen (Versailles). Eine Versammlung, die dazu dient um über kommende Reformen zu beraten.
17.06.89    Die Vertreter des Dritten Standes erklären sich zur Nationalversammlung
20.06.89    Ballhausschwur
27.06.89    Adel und Klerus schließen sich auf Befehl Ludwig XVI der Nationalversammlung an.
09.07.89    Bildung der verfassungsgebende Nationalversammlung (Konstituante) mit der Beteiligung des Ersten und Zweiten Standes.
14.07.89    „Sturm auf die Bastille“ - ein Großteil der Pariser Bevölkerung erstürmte die Bastille (eine massive Festung, die auch als nationales Staatsgefängnis diente), nachdem die königlichen Truppen um Paris zusammengezogen wurden. Der Sturm auf die Bastille markiert den offiziellen Beginn der Französischen Revolution.
04.08. - 26.08.1789    „Augustbeschlüsse“ - Abschaffung der Vorrechte des Adels, Klerus, wohlhabenden Städten und Provinzen durch die Nationalversammlung; Menschen- und Bürgerrechte werden etabliert; das Credo „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ entsteht; Abschaffung von Leibeigenschaft und Feudalherrschaft; Gleichheit vor dem Gesetz/Gericht und ein kostenloser Zugang zur Justiz wird jedem Bürger zugesprochen; der Kirchenzehnt wird abgeschafft (wirtschaftliche und steuerliche Entlastung der Bauern)
05.10.89    Der König sieht sich gezwungen die Gesetzgebungskompetenz der Nationalversammlung zu bestätigen.
November    Beginn der Säkularisation
Dezember    Frankreich wird offiziell in „Départements“ gegliedert
1790    Die Mitglieder des Klerus werden zu Staatsbeamten und müssen ihren Eid nunmehr auf der Verfassung ablegen. Besonders der Papst und dessen Anhänger protestieren stark.
   
Die Lage spitzt sich zu – 1791 – 1793   
1791    März; die Berufs-, Gewerbefreiheit wird abgeschafft, ebenso wie die Korporationen
Juni: „Flucht nach Varennes“; König Ludwig XVI versucht ins Ausland zu fliehen, wird jedoch von Soldaten der Nationalversammlung gefangen genommen und zurück nach Paris eskortiert.
17. Juli: Blutbad auf dem Champs de Mars (Marsfeld, ehemaliger Militärübungsplatz und heutiger Standort des Eifelturms)


September

Die neue Verfassung wird verkündet, die auf den Prinzipien der Volkssouveränität und Gewaltenteilung basiert. Frankreich ist nunmehr eine konstitutionelle Monarchie. Der König leistet seinen Eid auf die verabschiedete Verfassung, gibt seine Rechte endgültig ab und erklärt gleichzeitig die Revolution für beendet.
   
   
1792

April; Beginn der französischen Revolutionskriege mit der Mission, die restlichen europäischen Völker von der absolutistischen Tyrannei zu befreien. 1. Koalitionskrieg gegen Österreich & Preußen.
   
August; die königliche Familie wird verhaftet; Sturm auf die Tuileries
   
22.09.92    Endgültige Abschaffung der Monarchie und Proklamation der Ersten Republik.
   
Die Revolution frisst ihre Kinder – die Terrorherrschaft der Jakobiner (1793 – 1794)   
1793

Am 21. Januar wird Ludwig XVI guillotiniert → England, Portugal, Spanien, Italien und die meisten deutschen Städte bilden eine Koalition gegen Frankreich
April; der Wohlfahrtsausschuss ist das exekutive Organ des Nationalkonvents. Vorsitzender ist Georges Danton.
Mai; Wohlfahrtsausschuss unter Maximilien de Robespierre und Georges Danton;
Juli; Robespierre übernimmt den Vorsitz des Wohlfahrtsausschusses
August; Einführung der allgemeinen Wehrpflicht unter dem Wahlspruch „levée en masse“
September; Beginn der Terrorherrschaft („La Terreur“) mit dem Beschluss der Bekämpfung und Vernichtung konterrevolutionärer Aktivisten. Sie dauerte bis zum Frühjahr 1794 und forderte 40.000 Todesopfer, darunter viele willkürlich gefolterte und hingerichtete Bürger.
Oktober; der Wohlfahrtsausschuss erhält eine unbeschränkte Vollmacht für alles; Marie Antoinette (Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia) wird zum Tode verurteilt
Dezember; der Schulbesuch ist von nun an obligatorisch und kostenlos
   
   
Das Direktorium (1794 – 1799)   
1794    Februar; die Sklaverei in den französischen Kolonien wird abgeschafft
März; alle Anhänger Jacques-René Héberts werden hingerichtet
April; Hinrichtung Dantons und seiner Anhänger, Beginn der Jakobinerherrschaft
Juni: „Gegen Feinde des Volkes gibt es nur eine Strafe, die Todesstrafe.“ (Erlass des 22. Prairial II); Zeit des größten Terrors. Robespierre erlässt ein Gesetz, welches jeglichen Rechtsbeistand verbietet. Zwischen Juni und August 1794 werden 1258 Todesurteile ohne fairen Prozess gefällt.
Juli; Ende der Jakobinerdiktatur mit der Hinrichtung Robespierres, Auflösung des Jakobinerclubs, für den es in Frankreich keine soziale Basis mehr gibt.
   
   
Ab 1795    Herrschaft des Direktoriums mit Zensuswahlrecht; liberale Verfassung, die vor allem die Interessen des Großbürgertums vertrat
April; Frankreich und Preußen schließen Frieden
Oktober; die Verfassung des Direktoriums tritt nach einer Volksabstimmung endgültig in Kraft.
1796    Napoléon Bonaparte heiratet Joséphine de Beauharnais (Kaiserin von Frankreich und Vertraute vieler ranghoher Politiker und militärischer Befehlshaber) und wird mit ihrer Hilfe Befehlshaber der Italienarmee.
November; Napoléon siegt in der Schlacht von Arcole
1797    Januar; 1. Koalitionskrieg: Napoléon gelingt der entscheidende Sieg gegen die österreichische Armee (Schlacht von Rivoli). Zudem erobert Napoleon große Ober- und Mittelitaliens und zwingt Österreich so zum Frieden von Campo Formio. Der österreichische Kaiser Franz II muss sowohl Belgien, als auch die Lombardei an Napoleon abtreten. Zudem annektiert Frankreich das linke Rheinufer.
   
   
Das Konsulat (1799 – 1805)   
1799    März; 2. Koalitionskrieg gegen Frankreich
November; Staatsstreich Napoléon Bonapartes, er wird unter Druck der französischen Armee als 1. der 3 Konsule eingesetzt und machte so der Regierungszeit des Direktoriums ein Ende.
Dezember; Konsulatsverfassung: Napoléon ist erste Konsul und Alleinherrscher
1802    Der „Friede von Amiens“ beschließt den Frieden zwischen England und Frankreich. Anschließend lässt sich Napoleon mittels eines Plebiszits (Volksentscheid) zum Konsul auf Lebenszeit wählen.
1803    Reichsdeputationshauptschuß: Beschluss über die territoriale Neuordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
   
Das Kaiserreich (1804 – 1814)   
1804    Napoleon gelang es, durch eine Reihe geschickter Militärischer Aktionen und Annexionen die Hegemonie über den europäischen Kontinent zu erlangen. Anschließend krönt sich Napoléon selbst zum Kaiser Frankreichs und beendet die Revolution offiziell. Die an Frankreich grenzenden Monarchien bindet er an sich, in dem er verschiedene Mitglieder seiner Familie in diese Monarchien einheiratet. Er selbst lässt sich von Joséphine scheiden, da diese auf Grund ihres Alters nicht mehr in der Lage ist, Napoleon einen Erben zu schenken. Im Gegenzug heiratet er die österreichische Königstochter Marie Louise und heiratet sich so in eines des ältesten europäischen Adelsgeschlechter ein.


1805    Dreikaiserschlacht bei Austerlitz & Seeschlacht bei Trafalgar
   
3. Koalitionskrieg
   
   
1806   

Der beschlossene Rheinbund setzt dem Heiligen Römischen Reich ein Ende
4. Koalitionskrieg; Schlacht bei Jena und Auerstädt
Kontinentalsperre
   
   
1807   
Friede von Tilsit
Preußische Reformen

   
1809    5. Koalitionskrieg
   
1812/1813

Beginn des 6. Koalitionskrieges, der sowohl Napoleons Russlandfeldzug als auch die Befreiungskriege bezeichnet. Bereits zuvor kam es zu Desertionen und Revolten innerhalb der führenden Wirtschaftskreise und des französischen Militärs, da sich, mit zunehmender Lebensmittelknappheit, ausgelöst durch die andauernden Kriege und die von England initiierte Kontinentalsperre, eine negative Tendenz Napoleons Politik gegenüber herauskristallisierte. Der 1812 begonnene Russlandfeldzug scheiterte, was einen weiteren entscheidenden Faktor für die Auflösung des napoleonischen Kaiserreichs darstellte. Als klar wurde, dass der Russlandfeldzug gescheitert war, verbündeten sich immer mehr, der von Napoleon unterdrückten Staaten mit Russland und bildeten eine Allianz gegen die napoleonische Vorherrschaft. Besonders Preußen war voll von Nationalbewusstsein und Emanzipationswillen und stellte sich als erstes offiziell gegen die französische Unterdrückung. Beim Rückzug der napoleonischen Truppen gen Westen kam es vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 bei Leipzig zur Völkerschlacht, bei der das französische Heer den alliierten Truppen unterlag. Am Ende des Jahres 1813 ist das außerfranzösische Imperium zerschlagen und Napoleons Vormachtstellung in Europa gekippt.


   
1814   

Der Senat setzt Napoleon offiziell als Kaiser ab. Er wird ins Exil, auf die Mittelmeerinsel Elba, verbannt. (2. April)
Am 4, April wird Ludwig XVIII zum konstitutionellen Monarchen Frankreichs erklärt. Dieser versucht, einen politischen Ausgleich zwischen dem „Ancien Régime“, dem revolutionären Gedankengut und dem Erbe der napoleonischen Herrschaft zu erringen, was ihm allerdings nur partiell gelingt.


   
1815

Am 1. März 1815 landet Napoleon per Schiff in Cannes. Er marschiert mit einer ausgewählten Truppe durch Frankreich in Richtung Paris. Dieser Marsch gestaltet sich als Siegeszug und regelrechte Heroisierung Napoleons. Ludwig XVIII sieht sich zur Flucht gezwungen.
Als die ehemaligen Alliierten am 13. März von Napoleons Rückkehr nach Frankreich erfahren, nehmen diese die kriegerischen Kampfhandlungen gegen Frankreich wieder auf. Am 18. Juni besiegen deutsche, britische und niederländische Truppen die französische Armee erneut, diesmal bei Waterloo in der Nähe der belgischen Hauptstadt Brüssel. Vier Tage später muss Napoleon erneut abdanken, wird dieses Mal jedoch in die weitere Verbannung nach St. Helena (Pazifischer Ozean) geschickt, wo er am Ende auch einsam und krank stirbt.
   
   
Die Auswirkungen der französischen Revolution   
   
Die Französische Revolution hat besonders in Europa und Lateinamerika deutliche Spuren hinterlassen. Im Zuge der politischen Umstrukturierung Frankreichs vom feudalen Absolutismus zum Verfassungsstaat gab es flächendeckend revolutionäre Ergebungen mit mehr oder weniger viel Erfolg. Bauern, Handwerker und Bürger aus der Mittelschicht erhoben sich besonders in Belgien und den österreichischen Niederlanden gegen die feudale Herrschaft der Habsburger. Auch in den Fürstentümern Savoyen, Piemont und Bologna kam es zu antifeudalen Aufständen der Bauern gegen den regierenden Adel. Einen besonders großen Impuls übte die Französische Revolution auf die spanischen und portugiesischen Kolonien in Südamerika aus, in denen es gehäuft zu Liberalisierungs- und Befreiungsschlägen.

Weitere Ereignisse im Jahr 1789

Französische Revolution & Napoleonisches Zeitalter | Jahr 1789 n.Chr. - Geschichte