Weimarer Republik / Jahr 1919

Die Weimarer Republik

 

Oktober/November 1918

Obwohl der neue Regierungschef Prinz Max versuchte eine Friedenspolitik zu betreiben, plante die Seekriegsleitung einen Angriff auf die englische Flotte im Ärmelkanal. Die Reichsregierung wurde jedoch nicht von diesem militärisch sinnlosen Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Die in Kiel stationierten Matrosen erkannten schnell, dass es sich bei den Plänen der Seekriegsleitung um eine „Todesfahrt“ handelte und das zum Ende des Kriegs. In den Mannschaften formierte sich der Widerstand und am 29. und 30. Oktober löschten einige Matrosen das Feuer unter den Kesseln und zerstörten die Ankerlichtmaschinen in mehreren Schlachtschiffen um das Auslaufen zu verhindern. Die Seekriegsleitung musste darauf hin ihr Vorhaben abbrechen und ließ die mehr als eintausend Meuterer verhaften. Dem gefassten Matrosen drohte das Kriegsgericht und die Todesstrafe. Darauf hin gingen die übrigen Matrosen im November auf die Straße und forderten die Freilassung ihrer Kameraden. Am 4. November bildeten die Mannschaften Soldatenräte und bewaffneten sich. Die gefangenen Matrosen wurden unter dem Druck des Aufstandes freigelassen und besetzten wichtige militärische und zivile Dienststellen. Der Aufstand weitete sich immer weiter auf und fand immer mehr Anhänger (z.B. Werft- und Industriearbeiter).

 

9. November 1918

Revolution in Berlin: Nachdem Prinz Max vergeblich versuchte die Monarchie zu retten, gab er eigenmächtig die vollständige Thronentsagung von Kaiser und Kronprinz bekannt. Kurze Zeit später übergab Prinz Max sein Amt an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Gegen zwei Uhr nachmittags trat Philipp Scheidemann an ein Fenster des Reichstages und rief vor der versammelten Menschenmasse die Deutsche Republik aus. Sein Parteifreund Ebert reagierte entsetzt über diesen Vorgang: “Du hast kein Recht die Republik auszurufen!“. Nach Eberts Meinung lag die Entscheidung über das die weitere Entwicklung Deutschlands in den Händen einer verfassungsgebenden Nationalversammlung. Zwei Stunden später proklamierte Karl Liebknecht der „Spartakus“-Führer die „freie sozialistische Republik Deutschland“.

 

10. November 1918

Kaiser Wilhelm II. überträgt Paul von Hindenburg das militärische Oberkommando und begibt sich ins holländische Exil.

 

11. November 1918

Waffenstillstand von Compiègne: Am 8. November nimmt eine zivile deutsche Delegation unter Staatssekretär Matthias Erzberger den Waffenstillstand entgegen. Die deutsche Delegation musste den Waffenstillstand auf jeden Fall akzeptieren, da die militärische Lage nach Hindenburgs Einschätzung aussichtslos sei. Erzberger hoffte als demokratischer Zivilist bessere Bedingungen aushandeln zu können, jedoch ließ der französische Marschall Foch nur einen begrenzten Verhandlungsrahmen zu.

 

Die Waffenstillstandsbedingungen: Das deutsche Westheer musste sich innerhalb von 15 Tagen hinter den Rhein zurückziehen. Die alliierten Truppen besetzten die linksrheinischen deutschen Gebiete sowie drei Brückenköpfe bei Köln, Mainz und Koblenz innerhalb von 25 Tagen besetzten. Die Seeblockade wird bis zum Friedensvertrag aufrecht gehalten. Das Deutsche reich muss schweres Kriegsgerät, U-Boote und die Hochseeflotte an die Alliierten übergeben. Als erste Reparationsleistungen wird die Ablieferung von 500 Lokomotiven, 150.000 Waggons und 500 LKWs vereinbart. Die alliierten Kriegsgefangenen werden freigelassen. Die Friedensverträge mit Rumänien und Russland werden aufgehoben. Das Ostheer muss auf Abruf hinter die deutschen Grenzen von 1914 zurückziehen. Das Waffenstillstandsabkommen trat um 11 Uhr des 11. Novembers in Kraft.

 

28. November 1918

Kaiser Wilhelm II. dankt offiziell ab.

 

16.-21. Dezember 1918

Im gesamten Deutschen reich gab es auf allen Ebenen ein locker geknüpftes Netz aus revolutionären Gremien, wie etwa der Rat der Volksbeauftragten, die Revolutionsregierungen in den Bundesstaaten und die regionalen und Lokalen Arbeiter- und Soldatenräte. Vom 16. bis zum 21. November tage in Berlin der „Erste allgemeine Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschland“. Die Anwesenden führten eine Grundsatzdebatte über die Vor- und Nachteile der politischen Organisation und den richtigen Zeitpunkt der Wahl zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung. Der Kongress entschied sich gegen das Rätesystem und für eine parlamentarische Demokratie. Die Wahl zur Nationalversammlung wird für den 19. Januar 1919 angesetzt.

 

Januar 1919

Es kommt zu einem Generalstreik, Unruhen und Straßenkämpfen in Berlin. Die drei Linksradikalen Gruppen schätzen die Lage falsch ein und wollen den Aufstand bis zum Sturz der Regierung fortsetzten. Sie glaubten offenbar, dadurch die Revolution weiter voranzutreiben und die Wahlen zu verhindern. Gustav Noske (SPD) stellte in der Umgebung Berlins Freiwilligenverbände zusammen. Die Trupps unter seinem Oberkommando stellten die Ordnung wieder her. Dabei es gibt es zahlreiche Tote und Verletzte. Am 15. Januar ermorden Freikorpsoffiziere die KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

 

19. Januar 1919

Wahlen zur Nationalversammlung: Nach der Einführung des Frauenwahlrechts und der Senkung des Wahlalters von 25 auf 20 Jahren gab es 36,7 Millionen Wähler. Sieger waren die SPD, DDP und Zentrum die zusammen 76,1 Prozent der Stimmen erhielten. Die Wahlsieger strebten eine parlamentarisch-demokratische Republik an. Die Ergebnisse bedeuteten eine deutliche Niederlage für die linksradikalen und monarchistischen Gegner.

 

6. Januar 1919

Die Nationalversammlung trat im Weimarer Nationaltheater zusammen, um ungestört von den Berliner Unruhen agieren zu können und die neue Republik symbolisch in Zusammenhang mit den humanistischen und klassischen Traditionen der deutschen Kultur zu setzten. Am 11. Februar wählten die Abgeordneten der Nationalversammlung Friedrich Ebert zum ersten Reichspräsidenten. Ebert beauftragte Philipp Schleicher mit der Regierungsbildung. Schon zwei Tage später am 13. Februar wurde die neue Regierung vereidigt. Sie bestand aus Ministern der SPD, DDP und des Zentrums („Weimarer Koalition“) und war die erste, vom ganzen deutschen Volk gewählte parlamentarisch-demokratisch Regierung.

 

Februar bis Mai 1919

Nachdem die Wahlen für die radikalen Linken derart enttäuschend verliefen, kam es zischen Februar und Mai zu einer Welle von lokalen Aufständen, Streiks und Betriebsbesetzungen.

 

28. Juni 1919

Unterzeichnung des Friedensvertrages von Versailles. Bestimmung: Der Friedensvertrag sah große Gebietsverluste vor, so musste Deutschland u.a. Elsass-Lothringen, seine Kolonien und fast ganz Posen sowie Westpreußen abtreten. Die Souveränitätsbeschränkungen sahen u.a. ein Verbot der Vereinigung mit Österreich vor, das Verbot der allgemeinen Wehrpflicht, die Beschränkung des Heeres auf 100.000 Mann und die Marina auf 15.000 Mann sowie die Auslieferung des fast gesamten Kriegsmaterials. Mit der einseitigen Feststellung der Kriegsschuld der Mittelmächte, besonders Deutschland wurden die umfangreichen Reparationszahlungen begründet. Die Bestimmungen des Friedensvertrages lösten in ganz Deutschland starke Proteste aus. Jedoch konnte die Regierung ihre Wünsche und Vorstellungen kaum bei den Alliierten durchsetzten. Die Nationalversammlung musste den Friedensvertrag akzeptieren, da eine Wiederaufnahme des Kriegs aussichtslos war. Da jedoch die Schuldfrage weder öffentlich in der Nationalversammlung oder in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert wurde, kam es zu keiner rückhaltlosen politischen Aufarbeitung des Weltkriegs. Dieser Zusammenhang leistet später der „Dolchstoßlegende“ unfreiwillig Vorschub.

 

31. Juli 1919

Eine überwältigende Mehrheit der Nationalversammlung nimmt die Weimarer Verfassung an, die nach ihrer Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten am 14. August ratifiziert wird.

 

September 1919

Die wirtschaftliche Situation der neuen Republik war problematisch. Die Umstellung von Kriegs- auf Friedenswirtschaft war noch nicht in vollen Umfang vollzogen und die Kriegsteilnehmer waren noch nicht vollständig in den Arbeitsprozess aufgenommen. Auch die Gebietsabtretungen und die damit verbundene Flüchtlingsstrom verschlechterte die Lage. Die Reparationen bedeuteten eine weitere schwere Belastung. Die Aufhebung der Seeblockade am 12. Juli belebte den Außenhandel. Im September wurde eine Reichsgesetz über die Reichsfinanzverwaltung beschlossen,dass als Grundlage für den Aufbau einheitlicher Finanzämter im Reich fungierte. Bis Mitte 1921 kam es zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum, da Unternehmerverbände, Gewerkschaften und der Staat selbst die Nachkriegsinflation stillschweigend akzeptierten.

 

18. November 1919

Hindenburg hält eine Rede vor dem Ausschuss der Nationalversammlung zur Schuldfrage des Kriegs. Obwohl der kaiserliche General wusste, dass der Krieg bereits militärisch verloren war, gab er der Revolution die Schuld. So verbreitet sich die Auffassung, dass die deutschen Truppen den Kampf durch Sabotage aus der Heimat („Dolchstoß von hinten“) verloren. Nach der politischen Propagandalüge war das deutsche Heer im Ersten Weltkrieg "im Felde unbesiegt" geblieben und von der Novemberrevolution von hinten erdolcht wurden. Ludendorf als auch Hindenburg hielten es für unnötig zu erwähnen, dass sie selbst nach der gescheiterten Sommeroffensive von 1918 die Reichsregierung am 29. September 1918 ultimativ aufgeforderten die Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen und das sie sich der militärischen Aussichtslosigkeit der Truppen durchaus bewusst waren. Die Dolchstoßlegende verbreitet sich schnell in der Bevölkerung und wurde von radikalen Kräften aufgenommen.

 

13.-17. März 1920

Kapp-Lüttwitz-Putsch: Nachdem General von Lüttwitz vergeblich die ultimative Beibehaltung der Freikorps und seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der Reichswehr sowie Neuwahlen geforderte hatte, beschlossen Lüttwitz und Ehrhard den Putsch. Die Marinebrigade machte sich auf den Weg nach Berlin um die Regierung zu stürzen. Nachdem die Generäle, außer der preußische Kriegsminister und Chef der Heeresleitung, einen Einsatz der regierungstreuen Truppen gegen die Freikorps ablehnten, flüchtete die Regierung nach Stuttgart. Es schien, als ob die Reichswehr die parlamentarisch-demokratische Republik nicht verteidigen wollte. Inzwischen hatte die Marinebrigade Berlin besetzt und Kapp sich selbst zum Reichskanzler und Lüttwitz zum Oberbefehlshaber ernannt. Als Reaktion auf den Putsch riefen Gewerkschaften und Arbeiterparteien zum Generalstreik auf, der bis zum 20. März in ganz Deutschland geschlossen durchgeführt wurde. Darüber hinaus verweigerten die Ministerialbeamten Kapp-Regierung die Zusammenarbeit. Die Reichswehrführung verhielt sich neutral. Der Putsch war gescheitert.

 

15.März-10. Mai

Kommunistische Aufstände im Ruhrgebiet werden von der Reichswehr niedergeschlagen.

 

6. Juli

Aufgrund der rechten und linken Angriffe kommt es früher als geplant zu Reichstagswahlen. Die „Weimarer Koalition“ aus Zentrum, SPD und DDP erleidet schwere Verluste und kommt nicht über 50 Prozent. Starke Gewinne verzeichnen demgegenüber die USDP, DVP und DNVP. Die Instabilität der Regierungsbildung wird festgeschrieben.

 

16. Oktober

Die USPD spaltet sich auf dem Parteitag in Halle. Die Mehrheit der Mitglieder tritt zur KPD über.

 

März 1921

Nachdem Deutschland nicht auf die Reparationsforderungen der Londoner Reparationskonferenz einging, begannen alliierte Truppen Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort als Sanktionsmaßnahmen zu besetzten. In Deutschland kam es daraufhin zu einer Regierungskrise. Die Reparationsbestimmungen gaben den rechtsradikalen Gegnern und der Dolchstoßlegende in Deutschland neue Nahrung.

 

Ende März

Vor allem in Mitteldeutschland und Hamburg kommt es zu kommunistischen Aufständen, die jedoch von der preußischen Polizei niedergeschlagen werden kann.

 

26. August

Rechtsradikale Kräfte ermorden den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger.

 

16. April 1922

Vertrag von Rapallo zwischen Deutschland und der UdSSR: Der Sondervertrag vereinbarte die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, den gegenseitigen Verzicht auf die Erstattung von Kriegsschäden und Kriegskosten und die Aufnahme von Handelsbeziehungen nach dem Grundsatz der „Meistbegünstigung“ (Deutschland und die UdSSR wollten sich die vorteilhaftesten Bedingungen für den Handel einräumen.). Beide Staaten konnten mit diesem Vertrag ihre außenpolitische Isolation verlassen und ihren wirtschaftlichen Spielraum erweitern. Darüber hinaus arbeitete Deutschland und die UdSSR auch auf militärischem Gebiet begrenzt zusammen, natürlich unter Geheimhaltung des Vorgangs.

 

24. Juni

Rechtsradikale Kräfte ermorden Reichsaußenminister Walter Rathenau (DDP).

 

August

Stärkere Inflation: Die Reichswährung verliert immer schneller an Wert.

 

11. Januar 1923

Französische Truppen besetzten das Ruhrgebiet: Da Deutschland seine Reparationen nicht fristgerecht leisten kann, forderte Frankreich territoriale Sanktionen. Unter dem Vorwand der absichtlichen Verzögerung der Kohlelieferungen besetzen fünf französische Divisionen und eine belgische Division Essen und Gelsenkirchen. Danach wird die Besetzung auf das Ruhrgebiet ausgeweitet.

 

13. Januar

Die Reichsregierung verkündet den passiven Widerstand: Sämtliche Reparationslieferungen werden eingefroren und die Beamten aufgeforderte jegliche Zusammenarbeit mit den Besatzern zu vermeiden. Entgegen den Bemühungen der Reichsregierung entwickelte sich auch ein aktiver rechtsradikaler Widerstand, die Sabotagetrupps.

 

Juni 1923

Die Inflation entwickelt sich zu einer Hyperinflation. Die Geldmenge stieg ins Unermessliche an und die Kaufkraft der deutschen Währung sank ins Bodenlose. Auf dem Höhepunkt verlor das Geld seine Funktion als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Statt mit Bargeld zahlte die Bevölkerung mit Naturalien. Nachdem der Einzelhandel begann, seine Waren zu horten, kam es überall zu Plünderungen und Hungerdemonstrationen. Gewinner der Hyperinflation waren die Schuldner, die ihre Verpflichtungen nun einfach mit wertlosem Geld zurückzahlen konnten. Zu den großen Verlieren zählten Gläubiger sowie Bezieher fester Einkommen und Sparguthaben. Ihr Geld war wertlos.

 

August

Der passive Widerstand kann aufgrund der Inflation und Wirtschaftskrise in Deutschland nicht aufrecht erhalten werden. Die Regierung Gustav Stresemanns muss den Ruhrkampf abbrechen, um die Währung zu stabilisieren sowie die Verfassung des Reichs vor linken und rechten Angriffen zu schützen.

 

13. Oktober

Ermächtigungsgesetz: Mit diesem Erlass übergab das Parlament der Regierung außergewöhnliche Vollmachten. Die Reichsregierung kann au dem Verordnungsweg Maßnahmen treffen.

 

21. Oktober

Separatistenbewegung: Deutsche Separatisten rufen in Aachen unterstützt von den Franzosen die „Rheinische Republik“ aus. Während sich Frankreich von diesem Vorgang einen unabhängigen rheinischen Staates unter der Zusammenarbeit mit Frankreich und somit die Abtrennung des Ruhrgebiets von Deutschland erhoffte, versprachen sich die deutschen Separatisten wirtschaftliche und politische Vorteile. Die Reichsregierung konnte der Separatistenbewegung nichts entgegensetzten, da sie in das entmilitarisierte Rheinland keine Truppen schicken konnten. Dennoch scheiterte die Bewegung schnell am Widerstand der Bevölkerung und an der Ablehnung Großbritanniens

 

8./9. November

Hitler-Putsch in München: Die Krisen in der Weimarer Republik führten 1923 zu einem sprunghaften Anstieg der Mitgliedszahlen der NSDAP. Die Partei zählte in Bayern zur aktivsten rechtsradikalen Kraft. Der extrem nationalistische und monarchistische Generalstaatskommissar des Freistaates Bayern Gustav Ritter von Kahr plante schon seit längerer Zeit einen Putsch, von dem er Hitler jedoch ausschloss. Nachdem Hitler fürchtete, von anderen radikalen Akteuren ins politische Abseits gestellt werden sollte, rief er am Abend des 8. November 1923 die "Nationale Revolution" aus, erklärte die bayerische sowie die Reichsregierung für abgesetzt und kündigte die Bildung einer „nationalen Regierung“ an. Der eilig herbeigeholte Ludendorff, sowie das Triumvirat, von Kahr, von Lossow und von Seißer, sicherten Hitler ihre Unterstützung beim „Marsch auf Berlin“ zu. Während der ehemalige General Ludendorff bereitwillig mitwirkt, wurde das Triumvirat nach späteren Aussagen zur Zusammenarbeit gezwungen. Am nächsten Tag den 9. November starteten um 12 Uhr Hitlers Anhänger unter seiner und Ludendorffs Führung vom Bürgerbräukeller in München nach Berlin. Die Putschisten werden jedoch schon nach wenigen Metern vom Eingreifen der Polizei zerstreut. Hitler wurde verhaftet, allerdings geriet der Hochverratsprozess gegen ihn und Ludendorff zu einer Farce. Die Angeklagte konnten Propagandareden gegen die Weimarer Republik halten und agierten er als Verteidiger, Hitler und drei wichtige Mitangeklagte wurden am 1. April 1924 lediglich zu Festungshaft verurteilt. Das Gericht lehnte es ebenfalls ab, Hitler als wegen Hochverrats verurteilter Ausländer nach Österreich abzuschieben.

 

15. November

Währungsreform: In der Weimarer Republik wird die Rentenmark eingeführt (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark). Die Bevölkerung akzeptierte die Übergangswährung schnell als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel.

 

23. November

Ablösung Stresemann: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion war empört über die Untätigkeit der Regierung Stresemann im Fall des Hitler-Putschs. Während sie gegen die kommunistischen Regierungsbeteiligungen in Thüringen und Sachen die Reichswehr einsetzte, blieben sie gegenüber den rechten Kräften fast tatenlos. Daraufhin zog die SPD ihre Minister aus dem Kabinett zurück. Am 23. November stellte Stresemann die Vertrauensfrage und erlitt eine Niederlage. Er trat zurück. Der neue Regierungschef wurde Wilhelm Marx.

 

4. Mai 1924

Neuwahl des Reichstages (nach Ende der vierjährigen Legislaturperiode): Nach Wahlverlusten aller ab 1920 an der Regierung beteiligten Parteien (Ausnahme Zentrum und BVP) bildete sich unter Reichskanzler Marx eine Minderheitsregierung aus Zentrum, DDP und DVP. Jedoch löste Reichspräsident Ebert den Reichstag am 20. Oktober wieder auf. Aus den Neuwahlen am 7. Dezember ging die SPD, gefolgt von der NDVP als Wahlsieger heraus.

 

26. August 1924

Dawes-Plan: Das in London unterzeichnete Abkommen zwischen den Alliierten und Deutschland veränderte den Modus der Reparationszahlungen. Der Plan des US-amerikanischen Bankiers Charles Dawes machte die Tilgung der Reparationen von der Zahlungsfähigkeit Deutschlands abhängig. Die jährliche Belastung für die Weimarer Republik sollte eine Milliarde Reichsmark betragen und nach fünf Jahren auf 2,5 Milliarden Reichsmark anwachsen. Als Bürgschaft musste Deutschland die Reichsbahn und die Reichsbank unter internationale Kontrolle stellen. Politisch motivierte Sanktionen, wie etwa die Besetzung des Ruhrgebiets, sollten abgeschafft werden. Deutschland erhielt als Starthilfe 800 Millionen Reichsmark als Kredit von der USA. Eine zeitliche Begrenzung und die Gesamthöhe der Reparationen wurden mit diesem Abkommen nicht festgelegt. Das Abkommen trat am 1. September in Kraft, nachdem der Plan im Reichstag angenommen wurde. Das Ruhrgebiet und die besetzten Städte Düsseldorf und Duisburg wurden bis Ende August 1925 geräumt.

 

11. Oktober 1924

Einführung der Reichsmark.

 

28. Februar 1925

Reichspräsident Ebert stirbt. Nach zwei Wahlgängen erhielt Hindenburg die benötigte Mehrheit und wurde zum Nachfolger Eberts als Reichspräsidenten. Hindenburg als Monarchist und Mitbegründer der Dolchstoßlegende im höchsten Staatsamt der Republik war ein schwerer Schlag für die Demokratie.

 

Juli 1925

Frankreich beginnt das Ruhrgebiet zu räumen.

 

5.-16. Oktober 1925

Verträge von Locarno: Die Regierungschefs und Außenminister Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Belgiens, Italiens, Polens und der Tschechoslowakei trafen sich im schweizerischen Kurort Locarno, um Abkommen zur Friedenssicherung in Europa zu schaffen. Deutschland, Frankreich und Belgien verzichteten auf eine gewaltsame Veränderung ihrer Grenzen. Deutschland akzeptierte damit den Verlust Elsass-Lothringes und Eupen-Malmedy, dafür war es aber in Zukunft vor territorialen Sanktionen geschützt. Darüber hinaus bestätigte Deutschland die Entmilitarisierung des Rheinlands. Großbritannien und Italien wurden zu Garantiemächten, die bei einer Vertragsverletzung der jeweils geschädigten Seite zu Hilfe zu kommen.

Deutschland schloss ergänzend zwei Schiedsverträge mit Frankreich und Belgien sowie mit Polen und der Tschechoslowakei. Zukünftige Konflikte sollten durch Schiedsverfahren vor einer internationalen Kommission geklärt werden. Deutschland gab jedoch eine Grenzgarantie für den Osten ab. Stresemann plante später unter wirtschaftlichen, nicht militärischen, Druck Grenzverhandlungen aufnehmen zu können. Die Verträge von Locarno sind ein Werk des deutschen Außenministers Stresemann und des französischen Außenministers Aristide Briand. Beide wurden für ihre Arbeit an den Locarno Verträgen am 10. Dezember 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

 

24. April 1926

Berliner Vertrag: Als Ergänzung bzw. Gegengewicht schloss Deutschland das Abkommen mit der Sowjetunion. Der Freundschaftsvertrag sicherte Russland die Deutsche Neutralität für den Fall eines Kriegs mit einem dritten Staat zu. Im Fall eines russisch-polnischen Kriegs würde Deutschland den französischen Truppen keinen Durchmarsch zur Unterstützung Polens zulassen.

 

8. September 1926

Als Folge der Locarno Verträge, konnte Deutschland in den Völkerbund eintreten. Am 10.September zieht die deutsche Delegation in die Vollversammlung des Völkerbunds ein. Die außenpolitische Position hatte sich somit erheblich verbessert.

 

20. Mai 1928

Neuwahl des Reichstages: Als Wahlsieger ging erneut die SPD hervor. Die neue Regierung unter Hermann Müller setzte sich aus SPD, DDP, Zentrum, DVP, BVP zusammen.

 

28. August 1928

Briand-Kellogg-Pakt: Dieses Abkommen ist ein Kriegsächtungspakt dem sich zunächst 15 Staaten, bis Ende 1929 waren es 54 Staaten. Der Pakt wurde vom französischen Außenminister Aristide Briand und seinem amerikanischen Amtskollegen Frank Billings Kellogg konzipiert.

 

Juni 1928

Young-Plan: Nachdem sich die Umstellung der Reparationszahlungen auf die Normalmarke von 2,5 Milliarden Reichsmark abzeichnete, drängte die deutsche Regierung auf eine endgültige Regelung der Reparationszahlungen. Daraufhin tagte ein Sachverständigenausschuss unter Leitung von Owen Young, um einen neuen Zahlungsplan für Reparationen auszuarbeiten. Der Plan begrenzte die Reparationsschuld auf 59 Jahre und setzte die Gesamthöhe auf 112 Milliarden RM fest. Die durchschnittliche Jahresrate sollte Milliarden Reichsmark betragen. Darüber hinaus legte der Plan fest, dass Reichsbahn und Reichsbank nicht mehr unter ausländischer Kontrolle stehen sollen. Die alliierte Reparationskommission, die bisher für die Abwicklung der Zahlungen zuständig war, übergab die Verantwortung an die deutsche „Bank für internationalen Zahlungsausgleich“. Die Alliierten erklärten sich bereit das Rheinland bis zum 30. Juni 1930 zu räumen, also fünf Jahre vor dem im Versailler Vertrag festgelegten Zeitpunkt. Die Regelungen des Young-Plans bedeuteten eine enorme Verbesserung der bisherigen Regelungen.

 

14. Oktober 1929

Der „Schwarze Freitag“: An diesem Tag begann der rasante und dramatische Verfall der Aktienkurse an der New Yorker Börse. Die Krise weitete sich in kürzester Zeit zur größten internationalen Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts aus. Vor allem in den USA und Deutschland waren Überproduktion, Kurzarbeit, Entlassungen und Firmenzusammenbrüche. Die Massenarbeitslosigkeit befand sich im Winter 1929/30 auf einen Stand von mehr als 3 Millionen.

13. März 1930

Aufnahme des Reichsgesetzes zum Young-Plan gegen den heftigen Widerstand der Rechten.

 

27. März 1930

Rücktritt der Regierung Müllers (SPD), nnach dem zur Frage einer Erhöhung der Arbeitslosenversicherung kein Kompromiss gefunden werden konnte.

 

1. April 1930

Die Regierung Brünings trat ihre Arbeit an. Jedoch stellte Brünning schon in der Regierungserklärung fest, dass sein Kabinett an keine Koalition gebunden sei. Er verstand sich als „Präsidialkabinett“ und als „Hindenburg-Regierung“, die notfalls auch ohne oder gegen das Parlament arbeiten konnte. Jedoch sah die Verfassung der Weimarer Republik diese Form nicht vor. Brünning ließ das Parlament auflösen, nachdem es Brünnings Vorgehen zur Notverordnung ablehnte. Dieser hatte Gesetzesvorlagen, die vom Parlament wegen ihrer stark unsozialen Programms abgelehnt wurden in Form zweier Notverordnungen durchgesetzt. Dies war eindeutig verfassungswidrig

 

14. September 1930

Neuwahl des Reichstags: Die NSDAP erhält 18,3 Prozent der Stimmen und kann damit ihre Sitze fast verneunfachen und war die stärkste Fraktion nach der SPD. Dieser Wahl endete somit mit einer Katastrophe für die Demokratie. Nachdem die NSDAP über 107 und die KPD 77 Sitze im Reichstag verfügte, begannen ausländische Kapitalanleger, die um die politische Stabilität der Weimarer Republik fürchteten, ihre kurzfristigen Kredite zurückzuziehen. Infolgedessen verschlechterte sich die Wirtschaftskrise in Deutschland. Brünning verfolgt eine Politik der Deflation.

 

13. Juli 1931

Bankkrach: Banken, Sparkassen und Börsen werden geschlossen. Das Reich muss mit einer Milliarde RM helfen.

 

11. Oktober 1931

Bildung der Harzburger Front aus Nationalsozialisten, Deutschnationalen und des Stahlhelms zur Neuformierung der nationalistischen Opposition.

 

16. Dezember 1931

Bildung der Eisernen Front aus SPD, Gewerkschaften, Arbeitersportverbände und Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zur Verteidigung der demokratischen Republik.

 

10. April 1932

Reichspräsidentenwahl: Hindenburg, der amtierende Reichspräsident, wurde im zweiten Wahlgang mit 53 Prozent der Stimmen wiedergewählt und setzte sich somit gegen Hitler und Thälmann durch. Nach dem ersten Wahlgang hatte bereits Duesterberg aufgegeben und Hindenburg unterstützt. Hindenburg empfand es als Niederlage das ihm seine Gegner von 1925 zum Sieg verholfen hatten und lastet dies Brünning an, obwohl dieser wie kein anderer Wahlkampf für Hindenburg betrieben hatte.

 

13. April 1933

Brünning erwirkt beim Reichspräsidenten ein Verbot von SS und SA, um die Hauptursachen der politischen Gewalt einzudämmen.

 

30. Mai 1932

Brünning und sein Kabinett treten zurück.

 

1. April 1932

Neue Regierung unter Franz von Papen. Das „Kabinett der Barone“ aus sieben adligen und drei bürgerlichen Ministern wurde am 1. Juni 1932 vereidigt. Zuvor lässt Schleicher am 4. Juni den Reichstag auflösen, um ein Misstrauensvotum der SPD zuvor zukommen. Die Auflösung entsprach ebenfalls einer Absprache zwischen Schleicher und Hitler, wonach Schleicher das Verbot von SA und SS aufheben und für neue Reichstagswahlen sorgen sollte. Im Gegenzug erklärte sich Hitler bereit, die nächste Präsidialregierung im Reichstag zu unterstützen.

 

Sommer 1932

Blutigster Wahlkampf in der deutschen Geschichte gewalttätige Zusammenstöße zwischen SA, der SS und den Stahlhelmern auf der einen Seite und RFB und Reichsbanner auf der anderen Seite.

 

20. Juli 1932

Preußenputsch: Die geschäftsführende Regierung von Otto Braun in Preußen (SPD) wird durch Notverordnungen und mithilfe des militärischen Ausnahmezustands abgesetzte. Dieser reine Willkürakt hatte zum Ziel den Einfluss der Sozialdemokraten, vor allem aus der Hochburg Preußen, zu beseitigen. Die macht der NSDAP erhielt durch diesen Staatsstreich weiter an Größe.

 

31. Juli 1932

Reichstagswahl: Die NSDAP ging mit 37,3 Prozent der Stimmen und 230 Mandaten als eindeutiger Sieger aus den Wahlen hervor. Sie war somit stärkste Fraktion und stellte den Reichstagspräsidenten Hermann Göring. Gestärkt vom Wahlerfolg nach Hitler seine Zusage zurück die Regierung Papens zu tolerieren. Auch das Angebot Schleichers zur Wahlbeteiligung schlug er aus und forderte dagegen von Hindenburg die Führung der Regierung und des Staates in vollen Umfang. Hindenburg kam dieser Forderung jedoch nicht nach.

 

30. August 1932

Hindenburg ermächtigt von Papen den Reichstag aufzulösen, ohne eine Neuwahl binnen 60-Tagen, um ein Misstrauensvotum der Nationalsozialisten zuvor zukommen. Von Papen schreckte allerdings vor diesem Verfassungsbruch zurück. Am 12. September verlor von Papen das Misstrauensvotum eindeutig. Noch während der Abstimmung löste Papen mit einer vorgefertigten Order Hindenburgs den Reichstag auf. Bis zur verfassungsmäßigen Neuwahl erließ von Papen eine reihe von Wirtschaftsgesetzen, die ihre Zustimmung in großen Teilen der Industrie fand.

 

6. November 1932

Reichstagswahl: DVP und DNVP die Parteien Papens verzeichneten leichte Gewinne, während die NSDAP erstmals seit 1928 Stimmen verliert (4,3 Prozent). Die KPD kann ihre Stimmen auf Kosten der SPD erhöhen.

 

17. November 1932

Die Regierung von Papens tritt zurück, bleibt aber geschäftsführend im Amt.

 

3. Dezember 1932

General Kurt von Schleicher wird neuer Reichskanzler und behält darüber hinaus das Amt des Reichswehrministers.

 

28. Januar 1933

Schleicher tritt als Reichskanzler zurück. Sein Nachfolger steht schon bereit: Adolf Hitler.

 

 

Weiterführende Informationen

 

Literatur:

Ursula Büttner: Weimar. Die überforderte Republik. Stuttgart 2008.

Hans Mommsen: Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar 1918–1933, Berlin 1998.

Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, München 2002.

Hugo Preuß/Detlef Lehnert (Hrsg.): Politik und Verfassung in der Weimarer Republik, Tübingen 2008.

Walter Mühlhausen: Friedrich Eber 1871-1925. Reichspräsident der Weimarer Republik, Bonn 2007.

Dirk Hoffmann/Friedhelm Schütze: Weimarer Republik und nationalsozialistische Herrschaft. Deutschland zwischen Demokratie und Diktatru, Paderborn 2006.

Herbert Ludat/Johanna Schomerus [Bearb.]: Der kleine Ploetz. Hauptdaten der Weltgeschichte, Freiburg (Breisgau), Würzburg 1996.

Weimarer Republik, Information zur politischen Bildung, Nr. 261/1998.

 

Belletristik:

Gunnar Kunz: Organisation C: Ein Kriminalroman aus dem Berlin der Weimarer Republik, Erfurt 2007.

Christa Wolf: Ein Tag im Jahr: 1960-2000, München 2005.

Sigrid Lichtenberger: Mein Ich im Gefüge der Zeit. Jung sein in den Jahren 1923 bis 1945, Bielefeld 2005.

 

Museum:

Deutsches Historisches Museum Berlin, Unter den Linden 2 10117 Berlin.

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Willy-Brandt-Allee 1, 53113 Bonn.

Weitere Ereignisse im Jahr 1919

7. April 1919
Münchener Räterepublik
14. Juni 1919
Erster Trans-Atlantikflug
10. Januar 1919
Bremer Räterepublik
11. August 1919
Weimarer Republik
Jahr 1919
Versailler Vertrag

Weimarer Republik | Jahr 1919 n.Chr. - Geschichte