Das Konfessionelle Zeitalter Teil I / Jahr 1517

Das Konfessionelle Zeitalter Teil I

 

1517   

Beginn der Reformation durch Martin Luther. Luther übte Kritik ab Ablasshandel. (Ablasshandel: Seit dem Neubau des Petersdoms in Rom hatte die Päpste unentwegt mit Geldnot zu kämpfen. Aus diesem Grund führte der Papst den sogenannten "Petersablass" ein. Albrecht von Brandenburg wollte zu dieser Zeit Erzbischof von Mainz werden. Für die Wahl benötigte er eine Sondergenehmigung des Papstes und das Domkapitel musste Palliengelder nach Rom senden. Da aber auch Mainz in Geldnöten steckte, kam es zu einer Einigung zwischen Albrecht und Papst Leo X. Albrecht sollte sich das benötigte Geld für den Papst von den Fuggern leihen. Im Gegenzug erhielt er vom Papst für acht Jahre das Recht, in seinem Gebiet den Petersablass einzusammeln. Die Hälfte des Geldes ging an Rom, die andere Hälfte verblieb bei Albrecht, der damit seine Schulden bei den Fuggern bezahlen konnte. Durch den Erwerb eines Ablasses durch eine finanzielle Spende und Gabe wurden die Menschen von ihren „zeitlichen Sündenstrafen“ ganz oder teilweise erlassen. Luther kritisierte diesen Geschäftssinn beim Ablasshandel. Am 31. Oktober 1517 schickte er seine 95 Thesen gegen den Ablass an Albrechts von Brandenburg den Erzbischof von Mainz. Luther glaubte Albrecht wäre im Unklaren über den Missbrauch des Ablasses. An diesem Tag soll Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben.


1518   

Nachdem die 95 Thesen aus dem Lateinischen ins deutsche übersetzt wurden, erzeugen sie große Aufmerksamkeit. Im Oktober wurde Luther auf dem Reichstag zu Augsburg von Kardinal Cajetan verhört. Luthers Landesherr Friedrich der Weise konnte zuvor verhindern, dass Luther nach Rom musste. Friedrich der Weise besaß zu dieser Zeit als Kurfürst viel Einfluss, da er an der Königswahl beteiligt war. Der Papst wollte eine Wahl Karls zum König verhindern. Luther verweigert auf dem Reichstag den Widerruf seiner Lehren. (Die Rechtfertigung des Menschen vor Gott geschieht allein durch den Glauben.)


1519   

Leipziger Disputation: Theologisches Streitgespräch von der Universität Leipzig zwischen dem katholischen Theologen Johannes Eck und den führenden Vertretern der reformatorischen Bewegung, Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon. Am Ende der Disputation beanspruchten beide Seiten den Sieg für sich. Fest steht, dass die Disputation die Kluft zwischen Rom und Luther weiter vergrößerte.


1520   

Luther veröffentlicht drei reformatorische Programmschriften, die die Grundlage für das spätere Luthertum bilden. 1. An den christlichen Adel deutscher Nationen von des christlichen Standes Besserung“, 2. „De captivitate Babylonica ecclesiae“ (Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche), 3. „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Trotz unterschiedlicher Inhalte besitzen alle drei Schriften die gleiche Forderung nach der wahren Kirche als Gemeinschaft der Gleichgestellten und Freien.

Der Papst droht Luther am 15. Juni mit dem Kirchenbann, sollte er seine Thesen nicht binnen 60 Tagen widerrufen. Nach Ablauf der Frist im Dezember verbrennt Luther die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine.


1521   

Der Papst exkommuniziert Luther am 3. Januar mit der Bulle „Decet Romanum Pontificem“.
Reichstag zu Worms: Friedrich dem Weisen gelingt es, dass Luther trotz seines Banns auf dem Reichstag sprechen kann. Luther verweigert den Widerruf seiner Schriften.Mit dem Wormser Edikt wird die Reichsacht über Luther verhängt und er für Vogelfrei erklärt. Seine Schriften wurden verboten. Da ihm Karl freies Geleit versicherte hatte, erhält Luther eine 21 tägige Frist, während der er sich in Sicherheit bringen soll. Luther wird auf dem Rückweg nach Sachsen bei einem Scheinüberfall von sächsischen Soldaten entführt und auf die Wartburg bei Eisenach gebracht.

 


1521-1522   

Von Mai bis März 1522 befindet sich Luther als „Junker Jörg“getarnt auf der Wartburg. Luther schuf auf der Wartburg die deutsche Übersetzung des neuen Testaments und die Grundlagen für ein evangelisches Gemeindeleben. Er zeigte in seinen Schriften, dass das Mönchsgelübte im Gegensatz zur Bibel stand. Es kam daraufhin zu zahlreichen Klosteraustritten.

 

1522   

Luther kehrt auf eigenen Wunsch nach Wittenberg zurück. Dort hielt er seine berühmten Invokavitpredigten. Während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg radikalisierte sich die Bewegung in Wittenberg. Luther sorgte mit seinen Predigten dafür, dass die Reformation wieder in geordneten Bahnen verlief.

 

1526   

Reichstag zu Speyer: Das Wormser Edikt wird ausgesetzt. Somit wird den Ständen die Entscheidung in der Glaubensfrage in Verantwortung vor Gott und Kaiser überlassen.

 

1529   

Zweiter Reichstag zu Speyer: Ferdinand will das Wormser Edikt wieder in Kraft setzen. Darauf hin findet die Protestation zu Speyer statt. Sechs Fürsten und vierzehn Freie Reichsstädte als Vertreter der protestantischen Minderheit protestieren gegen die Verhängung der Reichsacht gegen Martin Luther sowie das Verbot seiner seiner Schriften und Lehre. Sie fordern die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. Von diesem Vorgang leitet sich der Begriff „Protestantismus“ ab.

 

1530   

Reichstag zu Augsburg: Die lutherischen Reichsstände legen Karl die „Confessio Augustana“ dar, ein grundlegendes Bekenntnis zu ihrem Glauben. Katholische Theologen verfassten auf Karls Anweisung die „Confutatio“, eine Gegenerklärung, die nach Ansicht des Kaisers und der katholischen Reichsstände die „Confessio Augustana“ widerlegte. Der Reichstag erklärt den Widerstand gegen das Wormser Edikt zum Landfriedensbruch.

 

1531   

Zusammenschluss der protestantischen Stände unter Führung Hessens und Kursachsens zum Schmalkaldischen Bund. Das Verteidigungsbündnis richtet sich gegen die Religionspolitik Karl V., der die „Confessio Augustana“ nicht anerkannte.  Die Mitglieder verpflichteten sich zur gegenseitigen Unterstützung im Fall eines katholischen Angriffs. In der folgenden Zeit konnte sich der Schmalkaldische Bund rasant ausdehnen.

 

1532   

Nürnberger Anstand: Da Karl die Unterstützung alles Reichsstände gegen den Kampf gegen die Türken benötigte, muss der Kaiser den Protestanten diesen ersten Erfolg gewähren. Die Protestanten sagten Karl im Kampf gegen die Fürsten ihre Unterstützung zu. Im Gegenzug bezieht Karl die Protestanten mit in den Reichslandfrieden ein. Die Reichsacht aus dem Wormser Edikt ist damit aufgehoben. (Karl Vorgehen ist mit der außenpolitischen Situation zu erklären. Durch den Kampf gegen die Türken besaß er keine Möglichkeit militärisch gegen den Schmalkaldischen Bund vorzugehen.


1541   

Reichstag zu Regensburg: Karl verfolgt das Ziel eines friedlichen Ausgleichs im Glaubensstreit. Der Kaiser steht im Angesicht eines neuen Kriegs gegen die Türken. Daher fand das Regensburger Religionsgespräch statt. Im Laufe der Verhandlungen kommen sich beide Parteien in der Frage der Rechtfertigung sehr nahe und eine Einigung ist in Sicht. Jedoch ist es nicht möglich, die Meinungsunterschiede in der Sakramentenfrage zu überbrücken. Die Gesprächsergebnisse werden sowohl von beiden Reichsständen, von Rom und von Luther abgelehnt.

 

1542   

Reichstag zu Speyer: In Angesicht der Türkengefahr bewilligen die Reichsstände, zur Finanzierung des Reichsheeres beizutragen. 

 

1545-1563   

Konzil von Trient: Das von Papst Paul III. einberufene Konzil findet in vier Sitzungsperioden zwischen 1545 und 1563 statt. Die Protestanten nahmen an diesem Konzil nicht teil und auch die Zielsetzung zwischen Kaiser und Papst war umstritten: Karl wollte eine Kirchenreform an, während Paul III. eine Verurteilung der protestantischen Lehren anstrebte. Zu den wichtigsten Ergebnissen des Konzils zählt die Entscheidung die Heilige Schrift und kirchliche Traditionen gleichzustellen. Dies entspricht einen Teilerfolg der Reformation.

 

1546   

Tod Martin Luthers. Karl gelingt es durch sein politisches Geschick Herzog Wilhelm IV. von Bayern und Moritz von Sachsen auf seine Seite zu stellen.  Somit konnte der Kaiser zwei prominente Mitglieder des oppositionellen Reichsfürstenstandes an sich binden.

 

1546-1547   

Schmalkaldische Krieg: Nach dem Ausbruch des Krieges in Süddeutschland verlagert sich das Geschehen nach Thüringen und Sachsen. In der Schlacht von Mühlberg/Elbe kann Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen besiegt und gefangen genommen werden, ebenso wie Philipp von Sachsen. Der Schmalkaldische Bund verliert infolgedessen seine Stärke und Macht.

 

1547   

Moritz von Sachsen erhält von Karl die Kurwürde des Johann Friedrich von Sachsens.

 

1552   

Fürstenkrieg: Moritz von Sachsen ändert seinen politischen Kurs und täuscht damit Karl. Er wandte sich vom Kaiser ab und errichtet ein Bündnissystem mit den protestantischen Fürsten. Moritz verhandelt auch mit dem französischen König, der die finanzielle Unterstützung bei einem Angriff auf Karl zusicherte. Somit erschuf Moritz eine überkonfessionelle internationale Union gegen den Kaiser. 1552 trafen Moritz und seine Truppen im Tirol ein und Karl musste flüchten. In dieser Situation bewilligt der Kaiser einen Stillstand in der Religion bis zum nächsten Reichstag.

 

2. August   

Passauer Vertrag: Die Vereinbarung zwischen Ferdinand und Kurfürst Moritz sowie den Reichsständen stellt einen Durchbruch in der Konfliktlösung an. Der Kaiser selbst ist bei den Verhandlungen nicht anwesend. Laut Vertrag sollen die Religionskonflikte auf den nächsten Reichstag friedlich gelöst werde. Als Voraussetzung müssen sich beide Parteien gegenseitig anerkennen, dieser Vorgang ist in der Vereinbarung bereits verankert.

 

9. Juli 1553   

Schlacht bei Sievershausen: Der Kaiser verliert gegen Moritz von Sachsen, jedoch stirbt der sächsische Kurfürst.

 

1555   

Reichstag zu Augsburg unter der Leitung Ferdinands I.: Als Ergebnis steht der Augsburger Religionsfriede zwischen den Protestanten und der Katholiken. Andere Reformierte werden nicht in den Frieden eingeschlossen. Die wichtigsten Bestimmungen: Die Reichsstände erhalten in ihren Territorien die Kirchenhoheit, jedoch ist es Untertanen anderen Glaubens gestattet auszuwandern (“cuius regio eius religio”: “Wem das Land gehört, der bestimmt auch die Religion). Die Reichsstädte bleiben bikonfessionell, d.h. ein Nebeneinander beider Glaubensrichtungen ist zugelassen. Der Geistige Vorbehalt regelt die materiellen Verhältnisse bei einem Konfessionswechsel. Demnach verliert ein geistlicher Reichsfürst bei einem Übertritt zum Protestantismus Rechte und Einkünfte sowie Land und Herrschaft. Diese Regelung wurde jedoch von den Protestanten nicht akzeptiert und sollte als Anordnung des Königs in Kraft treten. Die Declaratio Ferdinandea, ein königlicher Erlass Ferdinands I. gesteht den protestantischen landansässigen Adel, Ritterschaften, Städten und Gemeinden, die schon lange der Confessio Augustana anhängen die Freiheit der Religionsausübung zu. Diese Decleratio Ferdinandea wurde jedoch nicht mit in den Reichstagsabschied aufgenommen. Im Rahmen des Reichstags wurde ebenfalls eine Reichsexekutionsordnung mit der Errichtung  des Landfriedens beschlossen. Die Rechte des Kaisers zum Eingriff in die Innenpolitik des Reiches werden reduzieren und die föderative Merkmale des Reichs verstärkt. Den zehn Reichskreise werden mit der Vollstreckung der reichskammergerichtlichen Urteile und der Aufstellung des Heeres zur Sicherung des Landfriedens betraut. Das Kaisertum verlor seine alte Aufgabe, den Frieden im Reich zu wahren. Gerichtsbarkeit und Exekution werden von Königtum und Kaisertum abgeschnitten. Der Augsburger Religionsfriede sicherte bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs eine friedliche Situation. Der Vertrag war ein kunstreicher und komplizierter Kompromiss mit Unklarheiten, Lücken und Ansatzpunkte für weitere Kontroversen. Der Reichstagsabschied zeigt den Sieg der Politik über die Religion, da die Zusammengehörigkeit des Reiches als politischer Verband höher war als die Zugehörigkeit zur religiösen Gemeinschaft der Kirche. Die Religionseinheit wird nicht mehr als Voraussetzung für die Reichseinheit betrachtet und Religionsabweichung nicht mehr als Landfriedensdelikt behandelt.

 

1555   

Karl verzichtet zugunsten seines Bruders Ferdinand I. auf die Kaiserwürde und dankt ab.

 

1556   

Karl verzichtet zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf den spanischen Thron, Kastilien, Aragon, Burgund und die Niederlande, auf Reichsitalien, das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation und auch die Besitztümer in Amerika.
   

Weiterführende Informationen   
   
   
Literatur:   

Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main 2009.
Ernst Koch: Das konfessionelle Zeitalter – Katholizismus, Luthertum, Calvinismus (1563–1675), Leipzig 2000.
Axel Gotthard: Der Augsburger Religionsfrieden, Münster 2004.
Gerhard Graf[Her g.], Der Augsburger Religionsfrieden seine Rezeption in den Territorien des Reiches, Leipzig 2006.
Johannes Herrmann: Moritz von Sachsen, Beucha 2003 .
Herbert Ludat/Johanna Schomerus [Bearb.]: Der kleine Ploetz. Hauptdaten der Weltgeschichte, Freiburg (Breisgau), Würzburg 1996.
   
Belletristik:   

Christoph Born: Die Lutherverschwörung: Historischer Roman, Gießen, Basel 2009.
Stephanie Möller: Die Wittenberger Nachtigall: Martin Luther - biografische Erzählung, Gießen , Basel 2009.
Guido Dieckmann: Luther: Buch zum Film, 2004.
Katrin Burseg: Das Königsmal, Köln 2008.
   
Museum:   

Die Wartburg: Wartburg. Wartburg-Stiftung, Auf der Wartburg 1, 99817 Eisenach.
Das Lutherhaus: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lutherhaus, Collegienstraße 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg.
Deutsches Historisches Museum Berlin, Unter den Linden 2 10117 Berlin.
Melanchthornhaus, Melanchthornstraße 1, 75015 Bretten.

Weitere Ereignisse im Jahr 1517

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